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MICHAEL KROWAS

Männer, eisgekühlt

25/3/2019

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Eine Rebekka-Bakken-CD zu hören ist immer irgendwie ein Abenteuer. Jedes mal, wenn man sich im sanften Klang ihrer Stimme räkelt, sticht sie einem im nächsten Moment irgendein akustisches Messer ins Ohr. Sie spielt mit ihrer ungeheuren Stimme wie auf einer Klaviatur – sie hat auch eine ähnlich große Range wie ein Klavier. Am Sonntag war die norwegische Ausnahmesängerin zum -zigsten Mal in Hannover zu Besuch.

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Erwartungsvolles Raunen im gut gefüllten Theater am Aegi. Spärenklänge. Dann kommt die Band auf die Bühne. Ola Gustafsson, Eirik Tovsrud Knutsen und Even Ormestad begleiten unaufdringlich und selbstlos eine Sängerin, die jeden Rahmen sprengt. Rebekka Bakken. Ihre Haare reichen bis zur Hüfte, sie trägt einen dunkelblauen Samtanzug und stöckelt in knallroten Stilettos auf die Bühne. Sie singt „Closer“, hat ein paar Probleme mit dem Monitorsound und dem Mikrofon und lächelt, offenbar entspannt, alles weg. „Guten Abend Hannover, es ist everytime schön, wieder hier zu sein“, sagt sie. Der Sound ist dezent, ihre Stimme wirkt sehr präsent, schwebt über allem. Sie spielen „Black shades“, ein kleines, feines Reggaestückchen vom neuen Album „Things You Leave Behind“, und dann den Titelsong.

Ihre stimmliche Bandbreite ermöglicht es ihr, alles weg zu lassen, was andere Sängerinnen so gern benutzen – sie hat bei ihren Liedern einfach keine Schleifen oder Variationen nötig. Es wissen ohnehin alle Zuhörer, dass ihr Stimmumfang drei Oktaven beträgt. Und das wiederum gibt ihr die Möglichkeit, ihre Texte zu spielen. Manchmal wirkt sie wie direkt einer Brecht-Oper entstiegen, manchmal ist sie kleines Mädchen, manchmal Rotzgöre, manchmal Diva. Das hat sie früher schon in die Lage versetzt, die Lieder von Tom Waits genauso wirkungsvoll zu interpretieren wie die von Ludwig Hirsch.

In „Hotel St. Pauli“ ist sie eine Prostituierte auf der Suche nach Liebe. Ihre Stimme bekommt etwas Flehendes, man sieht die Dämonen, die sie versucht, loszuwerden, um ihren Kopf flattern.
Diese langen Töne mit dem kleinen Schluchzer am Ende, die kann sie, die 49-jährige Norwegerin. Sie als Jazzsängerin zu bezeichnen, ist etwa so, als ob man sagen würde, der Mount Everest ist ein ziemlicher Hügel. Sie ist vielmehr, bei „Korset vil jeg aldri svike So ro“ singt sie allein, nur begleitet von einem celloartigen Keyboardton von Eirik Tovsrud Knutsen. Jetzt klingt sie wie ein ganzer Indianerstamm, wie eine Ziegenherde, wie ein Didgeridoo. Der Song entwickelt eine geradezu hypnotische Wirkung, das hingerissene Publikum bleibt zum Schluss drei Sekunden länger als üblich still, bevor donnernder Applaus einsetzt.
Für „Little drop of poison“ setzt sie sich hinter den Flügel. Es entsteht eine traumhaft schöne Tango-Nummer, Gitarrist Ola Gustafsson spielt ein lautes Blues-Solo, das sich perfekt einfügt. Cross-Over vom Feinsten. Die Band ist perfekt aufeinander eingespielt, Drummer Rune Arnesen unterstützt ihren glockenhellen, weichen Sopran nur mit der Bassdrum, der percussive Rest entsteht dadurch, dass er sich mit dem Händen auf die Oberschenkel schlägt. Das Aegi wird zum Wohnzimmer.

Zwischendurch erzählt sie viel, von ihrer Mutter, die ihr die norwegische Kirchenmusik nahe gebracht hat, ihrem Vater, der kein Mann vieler Worte war, davon, dass man ein Antihistaminikum besser nicht auf der Reeperbahn kaufen sollte und von dem italienischen Restaurantbesitzer aus Hannover, bei dem sie nach ihrem letzten Konzert war und der den ganzen Abend Pavarottti gesungen habe. „Great songs, great food, great wine“. Sie kokettiert mit ihrer norwegischen Heimat. „I like my men on ice.“ Obwohl, sagt sie, Schweden sei ja eigentlich viel toller als Norwegen, und die Männer seien dort auch schöner. „Unfortunately the women too.“

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Bei „Shelter“ versagt ihr kabelloses Mikrofon. Sie schnappt sich das Mikro von Gustafsson und singt hochprofessionell einfach weiter. Die Zuhörer geben ihr dafür Szenenapplaus. Leider geht so der sehr anrührende Text unter: Eine einsame Frau bitte in einer Bar um Geld für Trinken und Essen. Obwohl Rebekka B. zuvor vehement erklärt hat, dass sie noch nie, niemals einsam in einer Bar gesessen habe, fühlt es sich so an, als sei sie diese einsame, verzweifelte Frau: Authentizität according to Rebekka Bakken. Das Publikum applaudiert im Stehen. Und nach zwei Zugaben entschwindet Rebekka B. in Richtung des Italieners vom letzten Mal. Ihren Rotwein hat sie sich mehr als verdient.

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RND - Richtig Nerdiges Duo

2/3/2019

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Janssen und Grimm: Heimspiel in Langenhagen
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Im Hauptjob sind sie beide Journalisten; Redakteure bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Uwe Janssen und Imre Grimm schreiben über Kultur, Lokales und gelegentlich über Sport. Grimm ist bekannt für seine scharfzüngigen Berichte über TV-Desaster, über Lena Meyer-Landrut, über den ESC, Janssen weiß mit spitzer Feder die Gegebenheiten in der Stadt zu kommentieren. Beide haben in der Wochenendbeilage der Zeitung eine satirische Kolumne, die ihren jeweiligen Namen trägt.
 
Im Nebenjob, und das soll in diesem Falle nichts über die Bezahlung von Redakteuren bei der HAZ aussagen, sind beide Musiker und Kabarettisten. Beide sind Mitglieder der hannoverschen Kultformation „Salon Herbert Royal“. Und gelegentlich treten sie gemeinsam als Duo auf. Üblicherweise sind sie in Spielstätten wie dem GOP, dem Theater am Aegi, dem TAK oder der Marlene zu Hause. Am Samstag haben sie ihr Heimspielterrain ein Stückchen nach Norden ausgebaut: Sie waren im Theatersaal in Langenhagen und gönnten den Besuchern einen kleinen Einblick in ihr Universum. Ihr neues  Programm heißt „PING!“ (warum eigentlich müssen Kabarettprogramme immer so heißen wie IT-Projekte?)
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Sie kommen auf die Bühne geschlendert, der schlaksige Uwe Janssen wie immer in einem Hemd, das so aussieht, als sei es in der Küche in einen schlimmen Unfall mit der Gemüsesuppe verwickelt gewesen, der kompakte Imre Grimm wie immer in Schwarz. Er habe "Bonusgewebe", sagt Imre Grimm, damit er vor lüsternen Frauenblicken geschützt sei. Schön, dass heute Abend die Witze über Gewicht, Figur, Frisur und dergleichen in der Minderheit sind, denn Grimm und Janssen sind viel, viel besser. Sie greifen zu ihren hübschen Gitarren und legen los und spielen sofort in einer anderen als in der "Ich bin zu dick aber ich mache Witze darüber"-Liga. Das noch verhaltene Publikum kichert zum ersten Mal, wenn sie „Siegfried und Roy“, „Foxi und Fix“, „Ernie und Bert“ und „Janssen und Grimm“ in einen Kausalzusammenhang bringen.

Sie seien die Ehrlich Brothers in ungeschminkt, behauptet Grimm. Und diese Trockenheit in Nebensätzen ist es, für die ihn die Besucher anhimmeln. Wortakrobatik und hervorragendes Timing schon im ersten Lied. Im Anschluss zeigt Grimm, dass er aus seinem eher seltenen Vornamen eine amüsante Geschichte zu machen vermag – die der WDR nicht aus einem Programm herausschneiden müsste. Danach versucht Janssen mit einer kleinen Tischklingel, wie sie auch in Hotels zu finden wäre, etwas bemüht den Bogen zum Programmtitel zu spannen. "Ping, das bedeutet in ihrer eigenen Definition: „Perfekt inszeniertes Nonsensgefasel“ oder „Poesie in neuem Gewand“ oder "Papier ist nicht geduldig". Nun ja ...

„Ping“ habe es gemacht bei so manch großer Erfindung, behauptet er. Seine vermeintlich harmlose Geschichte über die Forschungsministerin Anja Karliczek, die ein schnelles Internet nicht überall für notwendig hält, schon gar nicht an, Zitat, jeder Milchkanne, Zitat Ende, entwickelt sich zu einer bösartigen Abrechnung mit mangelnder Kompetenz – der Ostfriese führt so manche Ministerentscheidung ad absurdum. Er sei ja sozusagen in Milchkannenhausen geboren, sagt Janssen. "Bei uns braucht man am Wochenende gar nicht zu versuchen, YouTube-Videos am Stück zu sehen." Da macht es auch nichts, dass ein nicht geringer Teil des Publikums weder weiß, was YouTube ist, noch etwas mit dem Begriff „5G“ anfangen kann. Zwischendurch zeigen und kommentieren sie lustige Fotos. Eines zeigt Gesundheitsminister Jens Spahn; Grimm sagt nur das Wort "Daumenmännchen", er meint damit ein auf einen Daumen gemaltes Gesicht - die Assoziation sitzt tief.

Mit der Gitarre kommen sie beide mehr als gut klar, Grimm spielt einige zauberhafte Untermalungen auf der Flöte, Janssen bedient darüber hinaus den unsichtbaren Looper unter dem Pult. Für die meisten der eher betagten Gäste ist dieses Töne reproduzierende Computerchen immer noch Teufelswerk, und so kriegen sie es auch nicht mit, dass der Ostfriese dieses Hilfsmittel überaus exakt beherrscht und damit für den Groove unter den Gitarrensongs sorgt.
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Irgendwann ist die Wirkung der Geschichten so intensiv, dass die beiden Akteure auf der Bühne nach jedem Halbsatz innehalten müssen, um das Gelächter abklingen zu lassen. Sie sind wie eine Mischung aus Loriot on 45 und Otto auf Speed. Grimm feuert seine geballte Ladung an Lebensweisheiten ins mittlerweile vor Lachen brüllende Publikum. Die Themen werden immer skurriler: Von Transgenderkartoffeln (vorwiegend festkochend) über Urlaubsreisen nach Dänemark - was Janssen/Grimm aus vermeintlich alltäglichen Dingen für Geschichten entwickeln, ist wirklich einzigartig. Umwerfend ist auch ihre Interpretation eines Sommerhits. Wer hätte gedacht, was man alles auf "Desposito" reimen kann, ohne das Wort ein einziges Mal zu benutzen.

Die beiden Wortgewalttäter haben gut hingehört, bei Ingo Insterburg und John Lennon, bei Heinz Ehrhardt und Ephraim Kishon. Und spätestens, wenn die ersten Töne aus dem Janssenschen Alphorn erklingen, das sich die beiden Künstler aus Baumarktteilen zusammengebastelt haben (36 Euro), wird das skurrile Sammelsurium aus aktuellen Beobachtungen und zyankalischen Kommentaren mehr: Dann ist es riesengroße Kleinkunst, respektlos und liebevoll zugleich.

Helene Fischer ist auf Platz acht auf der Liste der bestverdienenden Frauen der Welt. Die Amis waren wirklich überrascht. "Who the fuck is Helene Fischer?" haben sie womöglich gefragt. Und womöglich würde das ein Münchener über Janssen und Grimm auch tun. "Mei, wer is'n des?" Würde man dem Programm der beiden Schreiberlinge auch etwas abgewinnen in Helmstedt, Heilbronn, Hoffenheim oder Hawaii? Eher nicht. Macht aber nichts. Sie sind Local Heroes. Und machen unkorrekte Witze über ihre Stadt und deren Bewohner. „Sie würden ja auch nicht Herrn Hanebuth mit den Worten begrüßen: Na, da ist aber jemand zu lang für sein Haar.“ Der Hannoveraner an und für sich weiß, im Gegensatz zu, sagen wir, einem Wuppertaler, wer Herr Hanebuth ist. Der Hannoveraner würde aber auch nur bedingt über Scherze über die Wuppertaler Schwebebahn lachen. Deshalb bleiben sie hier, die Hannnoveraner, in der Südstadt, in Letter, in Kronsrode, der List und wie die Stadtteile alle heißen: Hauptsache, der Prolet gilt etwas im eigenen Land. Und Franz Kafka ist der Herausgeber von Fix und Foxi. Zum Schluss, als Zugabe, spielen sie "Hannover", das Lied über "die Perle der Natiön", den bekanntesten Song ihrer anderen Combo, Salon Herbert Royal. Das Publikum tobt. Manche Scherze gehören nicht nur nach Döhren, sondern offenbar auch nach Langenhagen.
Sie sind zweifellos die Retter der Sprache, die beiden Helden auf der Bühne im Theatersaal. Sie geben eine mögliche Alternative zur sattsam bekannten Frage: "Ey, wie geil ist das denn?" "Es ficht mich an und nimmt mich Wunder, was für ein grandioses Posament, fürbass." Mehr als 450 Langenhagende können diesen und ähnliche Sätze jetzt bestimmt auswendig. Und mehr soll hier nicht gespoilert werden.
Wer sie verpasst hat: Hin da!

17. März im Corvinus-Zentrum Wennigser Mark, Beginn: 16 Uhr (!)
5. April im Leibniztheater in Hannover
6. April in der "Lütt Jever Scheune" in Ronnenberg
26. April, Alte Schule in Wülferode
29. August im Leibniztheater in Hannover
20. September beim Bürgerverein Jeinsen
26. September im tam tam - Theater am Mühlenberg in Hannover

Beginn: immer 20 Uhr

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Hände hoch

22/1/2019

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Best of Hip-Hop: Zwei unterhaltsame Stunden in der TUI-Arena
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Michael Bernd Schmidt, Thomas Dürr, Michael Beck und Andreas Rieke haben es geschafft: Die zehntausend Besucher in der TUI-Arena fressen ihnen aus der Hand. Egal, ob sie derselben Generation angehören wie die Musiker auf der Bühne, oder ob sie die Kinder dieser in den Sechziger Jahren Geborenen sind: Die grandiose Show da oben auf der in gleißendes Licht getauchten Hip-Hop-Spielwiese lässt niemanden kalt.
Die oben genannten Herren sind besser bekannt unter ihren Künstlernamen: Smudo, Thomas D., Michi Beck und And.Ypsilon. Die Fantastischen Vier. Für ihre Fans einfach Fanta oder Die Fantas. Gemeint ist jeweils dieselbe Band. Hip-Hop-Legenden seit inzwischen 30 Jahren. Niemand versteht es hier zu Lande besser, mit Texten und Musik den Nerv einer Generation so genau zu treffen. Sie waren nicht die Vorreiter des deutschsprachigen Hip-Hop, was ihnen häufig zugesprochen wird, nein, denn das waren Advanced Chemistry Anfang der Neunziger, aber sie haben dieses ganze amerikanische Zeug salonfähig gemacht: Ihr "Die Da" ging 1992 direkt durch das Papier, auf dem die Media Control Charts gedruckt waren, bis an die Decke. Daran erinnern sich heute Abend, am Dienstag, in Hannover nicht nur die Älteren; auch diejenigen, die zum Zeitpunkt des riesigen Hitparadenerfolgs des Albums "Vier gewinnt" noch gar nicht auf der Welt waren, recken begeistert die Arme in die Luft, wenn Smudo und Thomas D. über eine gemeinsame Discobekanntschaft singen, die Freitags regelmäßig keine Zeit hat, weil, wie sich herausstellt, Michi Beck der glückliche dritte Mann ist. Ja nee, is klar. Soviel zum Zerreden eines Textes, der womöglich das Genaueste war, das jemals das Lebensgefühl einer Dekade beschrieb.
Die Bühne ist intelligent beleuchtet, es gibt Projektionen auf filigrane Leinwände, und die Fantasten singen im Du- oder Terzett mit (den projizierten) Flo Mega und Clueso. Klar soweit? Die (sehr gute) unauffällige Band im Hintergrund sorgt für fetten Sound; Markus Kössler am Bass, Drummer Florian Dauner, Lillo Scrimali, der das zweite Keyboard bedient, Roland Peil am Schlagwerk und Gitarrist Markus Birkle legen ein solides Fundament aus Funk, Drum 'n Bass und Rock, auf dem die Fanten ihre Wortspielereien ausbreiten. Sie sind inzwischen alle über 50, die Hiphopper, aber sie stehen das schweißtreibende Bühnenprogramm mit Bravour durch. Michi Beck sieht immer noch aus wie ein kleiner Junge, höchstens wie 35, und man verzeiht ihm und Smudo gerne ihre Medienomnipräsenz bei "The Voice" oder diversen Oberschüler-Ratespielchen bei diversen öffentlich-rechtlichen Sendern, solange sie so abliefern wie heute Abend.

Und das tun sie, und wie sie das tun. 36 Lieder lang verrühren die vier Fantomasse ihre teils harm- und belanglosen, teils äußerst gesellschaftskritischen Texte zu einem Süppchen, das jedem schmeckt. "Captain Fantastic", so heißt auch das aktuelle Album, ist der Opener, "Sie ist weg" wird ebenso frenetisch bejubelt wie "Tag am Meer", "MfG" oder, als Zugabe, "Troy". "25 Years", im Original ein Lied einer längst vergessenen Band namens "The Catch", ist durch den Sample, die die Fantoletten benutzen, geradezu unsterblich geworden.

Smudos politische Botschaft trifft hier im Publikum womöglich auf mehr Nachhall als alle Integrationsstrategien sämtlicher Politiker der Republik. "Wir sind hier, um zu vereinen, nicht, um zu spalten", ruft er in die begeisterte Menge. Jawoll.

Weit voneinander entfernt stehen sie manchmal auf der, zugegeben, riesigen Bühne. Aber sie sind zu jedem Zeitpunkt eine homogene Band. Sie schaffen es, dass ihre Zuhörer im Kollektiv die Arme hochschleudern, im Kollektiv "Weg" brüllen und auf den Rängen im Kollektiv aufstehen, um zu tanzen. Die Welt wirkt an diesem Abend - komprimiert auf die Texte und die Rhythmen in der TUI-Arena - irgendwie gar nicht mehr bedrohlich. Für Trumps, Söders, Höckes oder Erdogans ist im Fanta-Universum kein Platz. Der geballten Kraft dieser drei Hiphopper vorne und ihres vierten Mannes, And.Ypsilon oben in der Mitte an diversen Keyboards, kann man sich nur schwer entziehen. Pünktlich um zehn ist Schluss, und Michi Beck, der genau wie seine Mitstreiter ein echtes Marathonprogramm absolviert hat, wirkt frisch wie der junge Morgen. Jetzt sieht er aus wie 25 - nicht nur, aber auch dafür, Respekt, meine Herren.
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Mörderbörner

14/11/2018

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Human League im Capitol Hannover – ganz ohne Schule schwänzen
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Lust hatte ich nicht, aber Lilly bat mich, sie zu begleiten. Wobei "bat" nicht ganz der richtige Ausdruck ist. Sie hat mich gezwungen. Ich war also mit ihr im Capitol bei Human League. Lustig. Nur dass ich überhaupt nichts darüber zu schreiben gewusst hätte. "Dann mach ich das eben", sagte die Frau. Und hier ist das Ergebnis. Steht zwar unter meinem Namen bis in die Ewigkeit im Netz, aber: Lyrics by Lilly. Es ist mein Blog. Heul.
Das Capi ist mit 1.100 Personen gut gefüllt. Nur Axel fehlt. 1981 haben Axel und ich in irgendeiner Freistunde erst Kaffee getrunken und dann verschämt geknutscht, während im Hintergrund „Don't you want me“ lief. Axel trug vorzugsweise einen kanariengelben Lacoste-Pullover und darunter ein weißes Polohemd. Er spielte Tennis und hatte eine echte Bree-Rindledertasche. Ich trug nach langen Diskussionen mit den Eltern das No-name-Mittelstandsrindledermodell und war froh, dass Axel mich küsste. Zu cooler Musik. Ich wäre so gern abends nach der Schule auch eine Kellnerin DER Cocktailbar in Town gewesen, aber die Eltern stimmten nur dem Mittagsservice in DEM Altenheim in Town zu. Deswegen war ich doppelt froh, dass Axel und sein Krokodil mich küssten.

Heute stehe ich mit 1.099 Personen im Capitol Hannover und hoffe, in das 80er-Feeling einzutauchen – nur für einen Moment. In den 80ern war alles leicht, der elterliche Kühlschrank gut gefüllt, der Golf ratterte vor sich hin und die einzige Sorge an so manchem Abend bestand darin, ob der Gastgeber auch genügend Southern Comfort und Ginger Ale für die langen Telespielnächte vor der Arcade-Konsole hatte. Gespanntes Ausharren im Time-Tunnel. Zurück in die Zukunft, zurück ins Capitol des Jahres 2018. Wie schön: Alle um mich herum nesteln im Ein-Finger-alte-Leute-Modus auf ihren Handys herum– wir sind unter uns. Wir, die in den 60er Geborenen, sind in der Überzahl – check. Manche von uns haben versucht, sich mit Retrolook auch optisch anzupassen, aber glaubt mir, Leute, Kinder der 60er, an Axel kommt heute immer noch keiner ran.
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Das Bühnenlicht geht an. Bääm. Sänger Phil Oakley mit seinen Begleiterinnenn Joanne Catherall und Susan Ann Sulley legen los mit „Crowd“, „Sky“ und „Heart Like a Wheel“ – welcome to the eighties. Die beiden weißen, geschwungenen Keyboards im Hintergrund erinnern an damalige futuristische Bügelstationen – und an 1984, ans Café Peppermint in Hannover, in dem weiße Kunstlederbarhocker standen und Bilder von Pop-Art-Frauen an der Wand hingen, deren aufgeblasene Kaugummis sich touchierten. Oakley liegt zuweilen in seinen Songs einen guten Halbton daneben – autsch, eigentlich, aber egal. Mitwippend entschuldige ich das damit, dass ich ja mittlerweile auch zwanzig Mal am Tag die Lesebrille zücken muss, um am geordneten Leben teilzunehmen. Man, sind die alt geworden, Mannomann – aber wenn die alt sind, was bitte sind dann wir?
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Ich zücke mein Handy und gehe wackelnd und wippend auf Facebook live – mein Abijahrgang, weit verstreut in Californ I A, Berlin und sonstwo auf der Welt, soll jetzt genau so fühlen wie ich. Und hey, da sind ja unsere Gefährten der 80er – auf dem Bühnenhintergrund. Eine riesige Pacman-Projektion auf den Monitoren und das mir nur zu gut bekannte Bild „game over“.

Game over ist heute hier noch lange nicht. Das Publikum taut auf und grooved. Achtung: In den 80ern war nur cool, wer sich langsam koordiniert strategisch bewegte, linkes Knie an rechten Ellenbogen und umgekehrt. Oakley, Catherall und Sulley drehen auf – jetzt sind sie drin und jetzt haben sie auch die Halbtöne im Griff: „All I ever wanted“, „Mirror man“ und die unvermeidliche Kellnerin in der Cocktailbar lassen grüßen. Niemand bleibt unbewegt, im Doppelsinn. Zwischendurch muss ich mal – und ich komme breit grinsend zurück vom Klo: Die Kombination aus Seife und Handtrockner roch plötzlich wie der Nebel in unserer alten hannoverschen Disco „Palace“, nach ewiger Jugend, sorgenfreiem Leben und dem elterlich sorgfältig gefüllten Kühlschrank.

Später, viel später, nach dem Konzert einer legendären Band: Ich treffe eine ganz alte Freundin vor dem Capitol. Piri wiegt sich immer noch beseelt und säuselt mir zu: Der Mörderburner, oder? Und ich fahre nach Hause und schwöre mir, meine Tochter nicht mehr dafür zu tadeln, wenn sie bei Ebay-Kleinanzeigen Retro-Karottenjeans kauft. Schön war das damals, mit Oakley – und game over ist noch lange nicht.

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